Baugeschichte der Marienkirche zurück zur Übersicht
 

 
Blick über die Werre Richtung Stiftberg um 1803. Auf der linken Bildseite verläuft der Stadtgraben zwischen Bergertor und Renntor, seit etwa einhundert Jahren zugeschüttet. In Bildmitte steht der Luttenberg frei, einige der Linden auf seiner Kuppe stehen noch heute. Es wird deutlich, wie abseits diese Siedlung auf dem Berg lag. Erst nach 1900 wurde der Bereich zur Stadt langsam zugebaut

Der Luttenberg - Ort der ältesten Marienerscheinung nördlich der Alpen. Die Legende berichtet, wie Maria hier einem Bettler erschien und unter anderem den Auftrag für den Bau einer Kirche erteilte. „Füge auch hinzu, dass die Äbtissin ein Gedenken meines Namens an diesem Ort einrichten soll, den ich ganz besonders erwählt habe für die Bitten der Christen und aller, die zum Gedenken meines Erscheinens hier Hilfe in ihren Ängsten erflehn." Es ist zweifellos ein magischer Ort, der eine ganz besondere Ausstrahlung hat.

Die Marienkirche auf dem Merianstich (Ausschnitt), um 1634. Rechts liegt die Stadt, über das Lübbertor führt die Mindener Straße entlang des Lübberbruchs. Die kleine Kapelle in Bildmitte ist nicht die Michaelskapelle, sondern gehört zu dem links in Tal liegenden Siechenhaus. Es wurde 1333 von dem Rittergeschlecht Von dem Busche gegründet. Nach Aufgabe des Siechenhauses lagen hier Schwerkranke, ab 1805 wurde es für militärische Zwecke genutzt und 1809 abgerissen. Die kleine Siedlung auf dem Berg liegt weit vor den Toren der Stadt. Bis heute fühlen sich die Bewohner als mehr Stiftberger und weniger als Herforder.


Blick durch das Gewölbe unter der Nonnenempore nach Osten. In keiner anderen Kirche gibt es diesen Blick! Die Kirche steht als Sinnbild für das himmlische Jerusalem und zugleich als Symbol für die Wegstrecke, die der Gläubige äußerlich wie innerlich zurücklegen muss, bis er sich mit Christus am Altar verbinden kann.


Der berühmte Ostgiebel der Marienkirche. eine Kombination zwischen Dreieck- und Stufengiebel. In den Flächen eine Reihe Steinfiguren, Blick Richtung Osten. Jerusalem liegt im Osten. Im Osten geht die Sonne auf, sie steht als Symbol für die Auferstehung Jesu. In allen mittelalterlichen Kirchen befindet sich mit dem Chor oft ein heller, lichtdurchfluteter Raum in Osten, gestaltet mit phantastischen Glasmalereien.


Der Westen, als Gegend des Bösen und Sitz dämonischer Kräfte, war der aufgehenden Sonne entgegengesetzt. In der Romanik beschreiben Begriffe wie Westwerk oder Sächsischer Querriegel die gewaltigen Bollwerke gegen das Böse. Oft gab es von der Westenseite her keine Türen, und wenn, durften sie nur zu besonderen Anlässen geöffnet werden.


In vielen Kirchen ist der Schlussstein des Gewölbes besonders gestaltet. Er hält, bildhaft gesprochen, "das Ganze zusammen". Er ist der Punkt, wo der Himmel den von unten errichteten Bau berührt. Der zentrale Schlussstein der Marienkirche trägt das M, Zeichen für Maria.


Marienkirche um 1925, mit Blick nach Osten. Der Chor, (Chor – Gesang) oder auch Sanktuarium, ist der vordere Teil des Kirchenraumes. Er ist durch den Altar in seiner Bedeutung herausgehoben. Es ist der heilige Bereich der Kirche. Oft hatten Laien keinen Zutritt. Der Innenraum hat heute eine vollkommen andere Ausstrahlung. Die neuzeitlichen Bänke wurden bei der Umgestaltung 2003 entfernt. Hell und weit, mit gotischen Bündelpfeilern, die man bis zum Fußboden verfolgen kann. Wunderbar.


Romanik rechts –Gotik links. Obwohl von nachträglich aufgestellten Epitaphen verdeckt, erkennt selbst der Laie, dass an dieser Stelle irgendetwas nicht zusammen passt. Die Sockelprofile haben verschiedene Höhen und Formen, das Kaffgesims fehlt rechts. Hier stoßen nicht einfach zwei Baustile direkt aneinander- es sind zwei verschiedene Philosophien.


Bei den Sanierungsarbeiten 2003 wurde an dieser Stelle der Nordwand das Fundament aufgegraben. Das romanische Fundament wurde auf einer ganzen Reihe Findlinge gegründet. Darüber liegen kleinere Steinbrocken, überwiegend aus Rhät. Das besondere an dem Mauerwerksaufbau ist, dass offenbar ganz bewusst ein öliger Stein als horizontale Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit eingemauert wurde. Der Nachweis dieses Materials als Sperrschicht war nach Auskunft von Bauhistorikern bisher unbekannt.


Die veränderte Bautechnik in Skelettbauweise der Gotik verlangte auch eine andere Gründung. Nur wenige Schritte entfernt ist der Unterschied deutlich zu erkennen. Keine Findlinge, sauber gesetzte Bruchsteine. Das romanische Fundament ist wesentlich breiter, dafür nicht so tief gegründet wie das gotische Fundament. Es trägt schwerer, hat statisch eine ganz andere Funktion.


Der Fundamentaufbau im direkten Vergleich. Dem relativ flachen romanischen Aufbau steht die tiefere Gründung der Gotik gegenüber. Möglicherweise reicht das gotische Fundament bis ist den steinigen Grund des Berges. Leider lässt sich das heute nicht mehr prüfen. Verbunden wurden die Werk- und Bruchsteine mit einem Kalk-Sand Mörtel.


Mit dem Infrarot-Spektrometer misst Dipl.-Ing. Jörg Bowitz die Zusammensetzung der offenen Werksteine. Die Säulen der Marienkirche bestehen ausschließlich aus Schilfsandstein. Das gesamte, offene und zugängliche Mauerwerk wurde untersucht, dazu viele Mobilien. Dazu gehörten alle Marienfiguren und Epitaphe.


Das typische Bild des Schilfsandstein aus der Vlothoer Gegend. Für Vergleiche wurden zuvor verschiedene Brüche beprobt. Auch Werksteine am Herforder Münster weisen diese Kurven auf. Das „Steinarchiv“ des Dipl.-Geologen umfasst mehrere tausend Proben, nicht nur aus Deutschland.


Für die optische Analyse werden Dünnschliffe erstellt. Hauchdünne Gesteinsscheiben werden durchleuchtet und geben so ihre Zusammensetzung preis. Im Dünnschliff zeigt sich die charakteristische Zusammensetzung des Schilfsandstein. Quarzanteile und Tonminerale sorgen für die typische Färbung des über viele Jahrhunderte verwendeten Baumaterials.


In Vlotho Valdorf sind noch heute dicke Bänke Schilfsandstein zu sehen. Solche brocken wurden mühsam abgetragen. Eisen, Feuer und Wasser waren die Hilfsmittel. Dieser Bruch bei Valdorf  ist allerdings nicht mittelalterlich. Er wurde noch nach dem Krieg betrieben. Die alten Brüche sind heute kaum mehr auffindbar. Manchmal sind sie auf alten topografischen Karten noch eingezeichnet oder alte Flurbezeichnungen verweisen auf sie.


Im Sockel der romanischen Teile wurde ein besonderer Stein als Sperrschicht gegen aufsteigende Feuchtigkeit eingebaut. Die sonst wenig abwechslungsreichen Schichten von Schiefertonen sind im Raum Herford durch die Einlagerung eines geringmächtigen braunen, festen Sandsteins ausgezeichnet. Dieser Sandstein ist härter als die Schiefertone und bildet den schmalen Kamm des Langenberges und die Kuppe des Luttenberges. In den Schiefertonen finden sich Fossilien, hier des Teufels Zehennagel: Auster (Gryphea acua).


Das Fundament der Marienkirche besteht zum Teil aus Rhät. Nicht weit vom Bismarckturm liegen die mittelalterlichen Steinbrüche. Große Flächen des Stuckenberges sind heute noch als Kummerhalden erkennbar. Sie bestanden aus unbrauchbarem Abraum und kleinen Steinbrocken. Trotzdem mussten diese Massen, zum Kummer der Arbeiter, bewegt werden. Daher der Name- Kummerhalde.


Im Gewölbe findet sich Horststein, ein Kalksintergestein aus Vlotho. Untersuchungen an der Marienkirche brachten den Nachweis, dass der Stein bereits Anfang des 14. Jahrhunderts hier verbaut wurde. Es ist der bisher älteste Bau, an dem das Kalksintergestein nachgewiesen werden konnte.


 
Von den alten Brüchen ist nichts geblieben. Sie sind lange zugewachsen.
Die Bewohner Vlothos nutzten die besonderen Eigenschaften des Kalksintergesteines noch auf andere Weise. An oder unter ihren Wohnstätten schlugen sie Höhlen in den harten Horststein, der von Wasser führenden Schichten durchzogen ist. So hatten sie nicht nur kühlen Vorratsraum, sondern immer Zugang zu frischem Wasser. Einer dieser Keller ist noch heute erhalten. Quellsauberes Wasser ließ durch die Gänge. Im Hintergrund der alte Brunnenschacht.

 

Federzeichnung 1532, Geschichte des Klosters Schönau. Auch wenn das Mittelalter bereits in seinen letzten Zügen lag, gibt die Federzeichnung einen guten Einblick in den unveränderten Bauablauf. Das im Steinbruch gewonnene Material wird auf Ochsenkarren an den Bau geschafft. Hier wird Mörtel gemischt, Steine werden bearbeitet und nach oben transportiert.


 
An der Nordseite der Marienkirche befindet sich ein Epitaph von 1754. Im darauf dargestellten Wappen befindet sich als Hauptmotiv ein mittelalterliches Lot, Hinweis auf den handwerklichen Beruf eines Vorfahren des verstorbenen Pfarrers. Es ist schon etwas besonderes, wenn ein Handwerker stolz ein Symbol seines Gewerkes in sein Wappen bringt  und auch seine Kinder dieses weiter führen. Es spricht einiges dafür, dass der erste Träger des Wappens Baumeister war.

 

Mit Schnüren und Pflöcken wurde der Bauplatz abgesteckt. Der scheinbar unübersichtliche
„Grundriss“ besteht aus einem genau abgestimmten System von Kreisen und Quadraten. Der kreuzförmige Grundriss einer mittelalterlichen Kirche wird als hingestreckter Leib gesehen.
Der Chorraum entspricht dem Haupt, das Querhaus den ausgestreckten Armen und der Eingangsbereich den Füßen.


 

Es gab verschiedene Möglichkeiten, die bearbeiteten Steine nach oben zu ziehen. nur kleine Steine wurden einfach an ein Seil gebunden. Für größere Werksteine benutze man meist die Steinzange. Manchmal sind die Löcher an alten Gebäuden zu sehen, meist mitten in den Steinen. Im Kirchenbau wurde oft der Wolf eingesetzt. Dadurch wurde vermieden, dass später an den Außenflächen der einzelnen Werksteine unschöne Löcher zu sehen waren. Schließlich sollte das Mauerwerk der Kirche so sein, wie Gott sich den Menschen vorstellt- glatt, ohne Ecken und Kanten.


 

Die eingeschlagenen Löcher konnten miteinander verbunden und Bronzeklammern eingelegt werden. Anschließend wurden die Zwischenräume mit Blei ausgegossen. Ob dieses Verfahren in der Marienkirche angewandt worden ist, kann nur vermutet werden. Sicher ist, dass mehrere Bronzeanker quer durch die Steinlagen eingemauert sind.


 

In der Nähe des Bauplatzes befand sich der Richtplatz, auch Schnürboden genannt. Dort wurde die gesamte Holzkonstruktion des Kirchendaches einmal komplett eingerichtet. Dessen Konstruktionsprinzip war einfach und genial. Der senkrechte Mittelbalken zog die Dachsparren durch sein Gewicht zusammen. Etwa 200 bis 300 Eichenbalken wurden in vergleichbare Kirchen verbaut.


 

Da  man das Gewölbe erst nach dem Schließen des Daches einzog, wurden lediglich die Rippenansätze eingemauert. So kommt es, dass, wenn die Kirche später doch höher gebaut wurde, Konsolen scheinbar zwecklos im Mauerwerk stecken. Die Rippenansätze in St. Stephan, Mainz, schimmern in einem bläulichen Kirchenschiff. Der Grund sind die hier eingesetzten Chagallfenster, die eine ganz besondere Atmosphäre schaffen. Das Gewölbe fehlt, es stürzte bei Bombentreffern im Krieg ein.


 

Nach Fertigstellung der Dacheindeckung wurde das Gewölbe Joch für Joch über einem Lehrbogen gemauert. War das entsprechende Joch eingewölbt, wurde es eingenässt und mit einem Kalk-Sand Gemisch überzogen. Die Stärke der Gewölbekappen liegt im Durchschnitt bei ca. 30-40 cm.


 

Die ältesten Gewölbe bestehen nur aus Schilfsandstein. Mehrere Gewölbe wurden jedoch mit wechselnden Materialschichten gemauert. Schilfsandstein, Backstein, Horststein. Ein ähnlicher Aufbau ist bisher nicht bekannt. Das Bröckchen Horststein führte auf die Spur zu den Brüchen in Vlotho.


 

Beim Einbau der Fußbodenheizung 2003 stieß man auf mehrere Fundamentblöcke, Reste der Vorgängerbauten. Aus Kostengründen wurde auf Grabungen verzichtet. Die Fußbodenheizung wurde darüber gebaut. Als 1939 Hellfried Prollius den Spaten im Inneren der Kirche ansetzte, begann deren wissenschaftliche Untersuchung. Mehr als fünf Jahrzehnte später schrieb der mittlerweile pensionierte Architekt seine Dissertation zu „seiner“ Marienkirche.


 

Der erste nachgewiesene Bau, die frühromanische Saalkirche geht wohl auf das Jahr 1011 zurück und wurde möglicherweise 1017 oder 1018 vom Paderborner Bischof Meinwerk geweiht. Der noch bis Anfang des 20. Jahrhundert stehende Turm könnte von diesem Bau stammen. Bis auf den vermuteten Grundriss ist weiter über dieses Gebäude nichts bekannt.


 

Der Umbau zur Basilika wurde vermutlich nach 1150 begonnen und vor 1200 als Kreuzbasilika fertig gestellt. Einige Reste sind noch heute erhalten, darunter Teile der Nord- und Südwand des Querschiffes.


 

Das Kämpferkapitell am süd-westlichen Pfeilerstumpf hat wohl schon einige Kirchenbesucher zum Rätseln gebracht. Es hat ein Pendant am nord-westlichen Pfeilerstumpf, wurde allerdings hier verstümmelt. Das Kapitell ist das einzig erhaltene Zierelement des Vorgängerbaus, das noch an seinem ursprünglichen Standort sitzt.


 
Kombiniert man in einer Montage den heutigen Westteil der Marienkirche mit dem Bild einer noch existenten Basilika (hier Stiftkirche Bad Gandersheim), wird der Standort und die Lage des Kämpferprofils deutlich.

 

Der Abdruck des unterschiedlich abtrocknenden Mauerwerkes der romanischen Nordwand, dem ältesten aufgehenden Mauerwerk Herfords, zeigt deutlich die unteren Abschlüsse der beiden Rundbogenfenster. Eine ähnliche Fensteranordnung ist an den romanischen Teilen des Herforder Münsters zu finden.


 

Erhalten im aufgehenden Mauerwerk sind Kerne der westlichen Pfeilerstümpfe und Teile der Süd- und Nordwand der Querschiffe. Reicht das, mit den ergrabenen Fundamenten, für eine Rekonstruktion der Basilika?


 

Um 1900 Noch steht der alte Turm. Erste Rekonstruktion der Basilika. Die vorhandenen Unterlagen und Erkenntnisse wurden in das alte Foto eingearbeitet. Rekonstruktionszeichnung Mathias Polster.


 

Es ist sicher, dass es von außen zum Kirchenraum keinen Zugang durch den Turm gab. Wo sich der Eingang zur Basilika befand, ist spekulativ. Es gibt Beispiele von Zugängen durch das Querschiff oder auch durch eines oder beide Seitenschiffe. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist dagegen die Fensteranordnung richtig. Rekonstruktionszeichnung Mathias Polster.


 
Um 1880. Eines der ältesten Fotos der Hallenkirche. Das oft genannte Datum der Weihe 1325 bezieht sich auf eine heute verlorene Inschrift: „dos Haus geboren wart das sind dusend jar un dreihundert XXV des dages fur joannes“ . Weitere schriftliche Belege sind unbekannt.

 


 

Der Weg von der ursprünglichen Umbauplanung zur heutigen Hallenkirche wird vermutlich durch ein einschneidendes Ereignis beeinflusst. Möglicherweise stirbt der Baumeister der ersten Planung. Diese sah lediglich den Abbruch der beiden basilikalen Seitenschiffe vor. An ihrer Stelle sollten verbreiterte Seitenschiffe stehen, die bis auf Höhe des Querschiffes gezogen werden sollten. Die Gewölbe der Basilika sollten erhalten bleiben.


 

Der Bau der Hallenkirche erfolgte in drei Bauabschnitten von West nach Ost. Deutlich sind im Westteil die Spuren einer Planänderung zu erkennen. Dabei wurde der Bau etwa 2,80 Meter höher gebaut, als ursprünglich geplant.


 

Nachdem Abbruch der Seitenschiffe wurde die Westwand verbreitert und bereits auch die Höhe des Querschiffes gebracht. Noch heute ist innen das für diesen Bau gedachte Fenster zu sehen. Auch Teile der Nord- und Südwand der ersten Joche wurden fertig gestellt. Dann kommt es zur Umplanung.


 

Der neue Baumeister hatte vermutlich bereits in Herford gearbeitet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit muss ihm die Gestaltung des Chores der Neustädter Johanniskirche zugesprochen werden. Schon hier setzt er Zeichen. Mutig bricht er die Wände für große Fensteröffnungen auf. Auf dem Stiftberg beendet er die bisherigen Arbeiten im Westen und plant die Kirche fast drei Meter höher. Die Umsetzung ist eine Meisterleitung! Je weiter der Bau nach Osten getrieben wird, desto weiter wird die Kirche.
Der Bruch mit der Romanik ist jetzt vollkommen vollzogen.


 

Der Bau der Hallenkirche erfolgte von West nach Ost. Deutlich sind im Westteil die Spuren einer Planänderung zu erkennen. Dabei wurde der Bau etwa 2,80 Meter höher gebaut, als ursprünglich geplant.


 

Der Pfeilerstumpf der Basilika gab vermutlich die erste Planhöhe des Gewölbes vor. Bei genauer Betrachtung ist zu erkennen, dass auch der Schildbogen (knapp oberhalb des Kruzifixes) schon fertig gestellt war. Die zweite Konsole für die Strebebögen in der nordwestlichen Ecke wurde später fast drei Meter höher gesetzt.


 

Im ersten Bauabschnitt wurde mit der neuen Planung das Gewölbe erheblich höher gesetzt. So wurde der Kirchenraum licht und weit, es konnten viel größere Fensteröffnungen eingebaut werden. Deshalb ist die Marienkirche die hellste Kirche nicht nur in Herford, sondern vermutlich in ganz Westfalen! Nachdem die ersten sechs Joche fertig gestellt waren, folgte mit dem Abbruch des Querhauses, bei dem nur die Außenwände stehen blieben, der zweite Bauabschnitt.


 
Während der Arbeiten an der Fertigstellung der Marienkirche (dritter Bauabschnitt) befand sich das Sanktuarium in den beiden östlichen Jochen, deren Bodenniveau erhöht war. Nach der Fertigstellung des wunderbaren Chores blieb diese Stufe erhalten. So reichte das Chorplateau bis 1866 noch bis in zwei Joche des Kirchenschiffes hinein (rote Markierung). Da mit der Beendigung des zweiten Bauabschnittes die Kirche in sofern fertig gestellt war, dass sie einen „normalen“ liturgischen Ansprüchen entsprach, gehe ich davon aus, dass sich die Datierung 1325 auf die Weihe dieser Zwischenstufe bezieht.

 

Bis zur endgültigen Fertigstellung der Kirche wird es wohl noch ein Jahrzehnt gedauert haben. Mit dem Bau des heutigen Chores fanden die Arbeiten ihren Abschluss. Alle Teile der Kirche waren mit Quersatteldächern überspannt. Um den Chor abschließend zu überdachen, musste darüber ein Längssatteldach errichtet werden. Daher hatte die Marienkirche noch bis 1902 einen Hochchor, der sich optisch erheblich abhob.


 

Die Turmspitze wurde schon 1893 abgebrochen, der gesamte Turm bis 1908 erneuert. Zwischen 1902 und 1904 ließ die Gemeinde die Kirche aufwändig restaurieren und gleichzeitig erheblich umgestalten. Der Innenraum wurde 1904 komplett neu ausgemalt.
Die Aquarell-Pastell-Arbeit von H. Kinkhorst (1932) ist möglicherweise das einzige Dokument, das die Innengestaltung in Farbe zeigt.


Zeitungsausschnitt vom Herforder Kreisblatt, 26. März 1956. Nach einigen Diskussionen wurde Ende des Jahres der stark beschädigte Deckenputz entfernt und das Kircheninnere farbig ganz einfach gestaltet. Es waren keine mittelalterliche Malereien, die herausgeschlagen wurden, sondern eine historisierende Gestaltung


 

In den Jahren 2003/2004 wurden erhebliche Renovierungsmaßnahmen durchgeführt und die Fußbodenheizung eingebaut. Um das Bodendenkmal zu schützen, wurde der neue Fußboden angehoben, was die vertieften Schächte an den Außenwänden erklärt.


 

Abschluss und Ende fanden die bisherigen Arbeiten mit dem Einbau der Colon-Orgel, benannt nach seinem Schöpfer. Die Arbeiten zur Neugestaltung des Kirchenraumes wurden offiziell im Dezember 2004 abgeschlossen.


 

Die Marienkirche ist eine der schönsten hochgotischen Kirchen Westfalens und immer einen Besuch wert. Sie werden erwartet, nicht nur zu den Gottesdiensten. Geöffnet ist die Marienkirche in der Sommerzeit Mo.-Fr. 15:00 bis 17:00 Uhr und in der Winterzeit Mo.-Fr. 14:00 bis 16:00 Uhr. Herzlich Willkommen!

Informationen auch unter

http://marienkirche-herford.de


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