Valdorf - Die unterschätzte Kirche zurück zur Übersicht
 
 
2008 feierte die Kirchengemeinde Valdorf ihr 750jähriges Jubiläum. Alte und neue Forschungsergebnisse der Kirchengeschichte wurden unter Leitung der Geschichtswerkstatt Exter gebündelt und in einem Sonderheft veröffentlicht. Dieser kurze Bericht bezieht sich lediglich auf die Untersuchungen zu den Steinmetzzeichen und einiger erhaltener Baureste. Als Information zur historischen und lebendigen Geschichte der Valdorfer Dorfkirche sei Ihnen das Heft "750 Jahre Kirche in Valdorf" empfohlen. Hinweise dazu finden Sie am Ende der Seite.

Im Querhaus auf der Nordseite befindet sich eine vermauerte Tür, deren Form eindeutig romanisch ist. Ein Vergleich mit dem Portal der kath. Pfarrkirche St. Kilian (12. Jh.) in Lügde zeigt deutliche Ähnlichkeiten von Gewände und Sturz. Vermutlich gehört dieser Bereich zu einem spätromanischen Vorgänger

Im Querhaus ist die zugesetzte Tür zu erkennen, deren Gewände der Türöffnung im Hintergrund entnommen wurde Auch diese heute als Fenster genutzte Tür im Westen der Nordseite, auf dem Bild rechts, zeigt eindeutig eine romanische Form. Hier handelt es sich vermutlich um den Haupteingang der romanischen Vorgängerkirche, dem ältesten Teil des aufgehenden Mauerwerkes der heutigen Kirche. An dieser Stelle fehlt auch das gotische Sockelprofil.

Die Dorfkirche wurde vermutlich zwischen 1250-1270 im frühgotischen Stil als einfache Saalkirche ohne Chorraum erbaut. Erhalten ist das Joch des nördlichen Anbaues, eingewölbt mit einem Kreuzrippengewölbe.

Der Schlussstein, mit dem Bildnis Jesu, ist stilistisch der Mitte des 13. Jh. einzuordnen. Er wurde aus Schilfsandstein gearbeitet, dessen Lagen unter dem Druck aufgeplatzt sind.

Das frühgotische Maßwerk im Querhaus unterscheidet sich deutlich zu den spätgotischen Fenstern der Valdorfer Kirche. Ähnlichkeiten gibt es zum Chor der Jakobikirche in Herford, der zwischen 1250 und 1270 erbaut wurde.

Um 1500 wurde offenbar die Kirche zu klein, vielleicht auch baufällig. Bei der Erweiterung blieben, neben dem Nordquerhaus, die Ost- und Teile der Nordwand erhalten.
Über dem ehemaligen Gewölbe ist am Ostgiebel deutlich zu erkennen, dass der nach Süden, hier nach rechts, verlängert wurde. Die im Mauerwerk sichtbare Abstufung zeigt sich als Fundament für eine Mauerwerksabdeckung aus Sandstein. Der gleiche Giebelabschluss ist am gotischen Nordanbau noch erhalten.

Typisch für die Zeit ist das Maßwerk der Fenster. Im großem Stil wurden damals Teile vorgefertigt, Fenster, Profile, Konsolen. Dadurch konnte die Bauzeit verkürzt und die Kosten gesenkt werden. Steinmetze sah man auf den Baustellen immer seltener.

Mehrere Steinmetzzeichen der spätgotischen Kirche lassen sich in Bielefeld (St. Jodokus, 1490-1511), Kloster Möllenbeck (1479-1503), Wallenbrück (Marienkirche, um 1500) und Salzuflen (Stadtkirche, 1476) nachweisen.
Sechs Enden, sechs Geraden, ein Kreuzungspunkt, kein geschlossener Bereich. Beispiel für die Dokumentation eines Steinmetzzeichen aus Valdorf.

Während des Dreißig Jährigen Krieges brannte die Kirche ab. Dabei wurde das spätgotische Gewölbe zerstört. Was danach geschah, ist schon wieder eine ganz besondere Geschichte.
Wie so oft in Valdorf, wuchst aus dem Alten immer wieder das Neue hervor.
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