Hatte die Jakobikirche in Herford eine Basilika als Vorgänger?

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Es ist nicht viel bekannt über die Baugeschichte der Jakobikirche. Seit den Grabungen, die zwischen dem 7. und 9. Juni 1978 durchgeführt wurden, wurde allgemein die Existenz einer Vorgängerbasilika in der Radewig akzeptiert. Sollte hier tatsächlich ein außergewöhnlicher Bau fast vollständig verschwunden und durch eine ebenso große Kirche ersetzt worden sein, ohne dass zumindest Teile integriert wurden? Weshalb sollte ein, ohne Zweifel, repräsentatives Kirchengebäude abgebrochen und ein Neubau errichtet worden sein?

Jajobikirche in Herford

Während der über Jahre gehenden, aufwändigen Arbeiten an der Jakobikirche, wurde im Sommer 1978 der Innenraum restauriert und eine Fußbodenheizung eingebaut. Dabei stießen die Arbeiter unter der nordöstlichen Säule auf einen rätselhaften Fundamentblock. Sonst fanden sich in der ganzen Kirche keine Spuren eines anderen Gebäudes.

aktueller Grundriss

Trotz mehrerer Ungereimtheiten beschrieb die Archäologin Frau Dr. Isenberg in dem Bericht das Fundamentstück als Teil einer Basilika.
„Unterhalb des nordöstlichen Langhauspfeilers kam ein Mauerbefund zutage. Es handelt sich um zwei Mauerzüge, die sich kreuzförmig schnitten. Das Ost-, West- und Nordende war ausgebrochen, das Südende dagegen glatt abgemauert. Die Fundamentzüge banden ohne erkennbare Fuge ineinander ein und gehören somit einer einzigen Bauperiode an. (…)
Der Fundamentkomplex unter dem nordöstlichen der gotischen Langhauspfeiler ist vielleicht am ehesten als Rest einer einschiffigen basilikalen Anlage zu deuten und zwar als Teil der nördlichen Chorbogenvorlage mit einem Rest der nördlichen Chormauer, der nördlichen Langhausmauer und der Ostwand des nördlichen Seitenschiffs.“
(Auszüge aus dem Grabungsbericht 31. August 1979
Dr. Gabriele Isenberg, Landeskonservatorin Westfalen-Lippe)

Ausgrabung

„Allerdings ließ sich von der Stratigraphie her nicht beweisen, dass der bei der Ausgrabung gefundene Fundamentkomplex tatsächlich der oben beschriebenen Situation entsprach. (…)
Auch von der basilikalen Anlage fanden sich im Bereich der späteren Kirche keine weiteren Spuren. Möglicherweise sind diese jüngeren Grabanlagen zum Opfer gefallen.“
(Auszüge aus dem Grabungsbericht 31. August 1979
Dr. Gabriele Isenberg, Landeskonservatorin Westfalen-Lippe)

Eines ist ohne Zweifel sicher. Dieses Fundament passt nicht zur darauf stehenden Säule. Aber auch eine Basilika lässt sich nicht darüber rekonstruieren. Es handelt sich um einen Teil der Mitte des 13. Jahrhunderts ursprünglich geplanten Saalkirche, von der nur der heutige Chor fertig gestellt wurde. Die mittelalterlichen Handwerker hatten hier ein Blockfundament vorbereitet. Insbesondere die Stelle, an denen die Strebepfeiler Dach- und Gewölbelast zu tragen hatten, wurden besonders stark fundamentiert. Der nach Süden verlaufende, sauber abgemauerte Mauerstreifen ist das Fundament der Pfeilervorlage für den Gurtbogen. Nach Norden läuft das Fundament eines an der Nordwand geplanten Strebepfeilers.


Ein Strebepfeiler vom Schiff der Saalkirche wurde im Übrigen fertig gestellt und noch erhalten. Er ist außen in der Ostwand des Nordschiffes zu sehen, direkt links neben dem Fenster sitzt er im Mauerwerk. Für die Hallenkirche konnte er nicht vorgesehen sein, er steckt bedeutungslos mitten in der Wand.

Strebepfeiler

So ungefähr könnte die geplante, aber nur teilweise ausgeführte Saalkirche im Grundriss ausgesehen haben. Vermutlich kam der Anstoß zur Planänderung von nebenan, aus der Neustadt. Fast zeitgleich begannen hier die Arbeiten an der Johanniskirche. Die erste Westfälische Hallenkirche wurde zur Vorlage unzähliger weiterer Kirchen.
Fazit: Leider müssen wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass die Jakobikirche in der Radewig eine Basilika als Vorgänger hatte. Das Fundament gehört in dieselbe Zeit, wie der Chor der Jakobikirche. Sicher stand vor Errichtung der Hallenkirche schon ein kleines Gotteshaus an dieser Stelle. Da nix gefunden wurde, bestand es vermutlich nur aus Holz.
Und nun? Wie bekommen wir die Basilika jetzt wieder aus den Köpfen raus?

 

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