Jakobikirche Herford
Der Kopf im Gewölbe

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2009 und 2010 wurde die alte Pilgerkirche in der Radewig außen umfassend saniert. Die Gelegenheit war für Bauuntersuchungen günstig. Wichtiges Thema der Untersuchungen war die Trennung und Datierung der verschiedenen Bauabschnitte. Im August 2010 sollte ein letzter Gang auf das Gewölbe führen, an die Naht zwischen den Kappen des 13. Jahrhunderts aus Bruchstein und den jüngeren aus dem 14. Jahrhundert, die aus Backstein gemauert sind. Der Rückweg führte, wie immer, über das Gewölbe des südwestlichen Joches.


Zufälligerweise fiel mein Blick in eine dunkle Ecke, auf die sich wohl an diesem sonnigen Tag ein besonders heller Strahl senkte. Bei näherer Betrachtung entdeckte ich einen Stein, der irgendwie seltsam hinter einem gemauerten Sockel klemmte. Vorsicht entfernte ich die kleinen Brocken und die Staubschicht, die auf dem seltsamen Ding lag. Zum Vorschein kam ein bearbeiteter Sandstein, eingeklemmt zwischen zwei Mauerteilen. Der Stein war nicht eingemauert, sondern hier abgelegt.


Die Überraschung war perfekt. Vor mir lag das Bruchstück einer gotischen Figur. Ein etwas überlebensgroßer Kopf mit lockiger Frisur. Recht einfach, aber sauber gearbeitet. Am Hals war eine grobe Abbruchkante, die Nase hatte sich zum größten Teil verabschiedet. Insgesamt etwas sandig. Vermutlich ist dieser Kopf Teil einer Heiligenfigur (Jakobus?), die zur ursprünglichen Ausstattung der alten Pilgerkirche gehörte. Es spricht einiges dafür, dass er im 14. Jahrhundert, nach Fertigstellung des Kirchenraumes, als Ausstattungsstück Einzug hielt. Als dieser während der Reformation ausgeräumt wurde, hat wohl einer der Beteiligten den Kopf auf dem Gewölbe versteckt, damals ein dunkler, eher unzugänglicher Ort.


Die Rückseite ist abgeflacht und grob abscharriert. Putzreste zeigen, dass er einmal fest mit einer Wand verbunden war. Offensichtlich ist es der Rest einer einst kompletten Gestalt, die, wenn man die Proportionen des Kopfes zugrunde legt, mehr als zwei Meter groß gewesen sein muss. Fast vollplastisch hatte sie wohl ihren Standort an einer repräsentativen Stelle in der Jakobikirche.

 

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