| Das Herforder Wappen |
zurück zur Übersicht |
|
| Wie alt ist das älteste Wappen der Stadt? Sicher liegt der Ursprung nicht bei den kirchlichen Stiften, sie führen kein Wappen. |
 |
|
| Ganz hinten, in einer Ecke des alten Friedhofes der Marienkirche auf dem Stiftberg, liegt unbeachtet unter Bäumen und Büschen ein Stein. |
 |
|
| Der Stein ist zugewachsen und unscheinbar. Eigentlich nimmt man ihn nur war, wenn man direkt auf ihn aufmerksam gemacht wird. |
 |
|
| Unter dem Moos verbirgt sich eine geheimnisvolle Ritzzeichnung. Der ursprüngliche Standort des sauber bearbeiteten Sandsteines ist nicht bekannt. Er weist keine Schäden auf, auch nicht durch Umwelteinflüsse, keine Öffnungen für Befestigungen. Es befindet sich auf ihm kein Schriftzeichen. Ganz sicher ist es kein Grabstein, kein Epitaph. |
 |
|
Zieht man die Ritzzeichnung nach, kann man deutlich das alte Herforder Wappen erkennen. Die Helmzier zeigt, dass es zu einem Ritter gehört.
Was ist das für ein Stein? Zu wem gehört er? |
 |
|
| Die ältesten Wappen Europas entstanden in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, der Zeit der Kreuzzüge. In den Ritterheeren, bei großen Heeresversammlungen und vor allem auch bei Turnieren konnte man wegen der alles verdeckenden Rüstung kaum noch zwischen Freund und Feind unterscheiden. |
 |
|
| Das Problem wurde durch farbliche und symbolische Kennzeichnung auf den Schutzschilden oder Fahnen behoben. Für die Identifizierung der Ritter anhand ihrer Wappen waren Herolde (daher auch Heraldik) verantwortlich. Das Wort "Wappen" deutet auf seine Herkunft aus dem Militärwesen, es ist identisch mit dem Wort "Waffen". Die ersten Wappenträger waren also Ritter und nicht Institutionen, wie Klöster oder Städte. |
 |
|
| Im Westfälischen Wappenbuch von 1882 finden sich Herforder Siegel aus dem Mittelalter. Als Eintrag 8 des Wappenbuches ist das Wappen des Balduin von Quernheim von 1326 abgebildet. |
 |
|
| Unter allen dargestellten Abbildungen zeigt es die deutlichste Übereinstimmung zum Wappen auf dem Stiftberger Stein. Welche Bedeutung dieser Stein hatte, welche Funktion, ist nicht mit Sicherheit zu beantworten. Vielleicht steht seine Existenz in Verbindung mit der Fertigstellung der Marienkirche, die ebenfalls in die 1. Hälfte des 14. Jh. fällt. |
 |
|
| Besondere Beachtung verdient das Wappen Nr. 1, auf das Jahr 1277 datiert. Es ist die älteste bekannte Darstellung des Herforder Balkenwappens. Der Herforder Ritter Reinhard Gogreve trug den Balken nicht nur in seinem Wappen, er siegelte auch damit, im Gegensatz zu Stift und Stadt. Diese benutzen zu diesem Zeitpunkt nicht nur andere, sondern auch vollkommen verschiedene Motive. Es ist also noch nicht das gemeinsame Wappen / Siegel von Stift und Stadt. |
 |
|
| Aus der Entwicklungsgeschichte der mittelalterlichen Wappen wird deutlich, dass keinesfalls der kirchliche Stift selbst dieses Wappen entwickelt haben kann. Gertrud zu Lippe siegelt 1231 ohne Wappen, wie die nächsten Äbtissinnen auch. Als Motiv des Siegels findet sich das Bildnis Marias und kein weltliches Symbol. |
 |
|
| Die älteste bekannte Abbildung des Balkenwappens aus dem Stift ist das Siegel der Äbtissin Elisabeth von Herford aus dem Jahr 1365 Das Wappen sitzt auf einem kleinen Fähnchen in der Hand Marias. |
 |
|
| Bereits kurze Zeit nach der allgemeinen Entwicklung der Wappen aus den Ritterheeren heraus, siegeln Herforder Ritter mit dem Motiv, das als Furt über die Flüsse gedeutet wird. Vermutlich wurde dieses Wappen der Herforder Ritterschaft, welche Stift und Stadt nach außen vertraten, allgemein als das der Herforder anerkannt und später von Stift und Stadt übernommen. |
 |
|
| 1899 wurde das weit über 700 Jahre alte Wappen aufgegeben. Das neue Wappen führt die Stadt infolge königlicher Verleihung vom 1. November 1899. |
 |