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| Hexen |
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Es wird nicht mehr lange dauern und mit dem Abbruch des Radewiger Wehrs ist ein weiterer wichtiger Ort der Herforder Stadtgeschichte verschwunden, der Hexenkolk an der Radewiger Mühle.
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An dieser Stelle wurden der Hexerei Angeklagte der Wasserprobe unterzogen. Niemand weiß, in welchem Zeitraum wie viele Frauen und Männer dieser grausamen Prozedur unterzogen wurden.
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In schlechten Zeiten wurden immer Schuldige gesucht und auch gefunden. Meist waren es Juden oder Frauen, oft beide Gruppen zusammen. Mit der Erfindung des Buchdruckes wurden massenhaft Flugblätter und Bücher wie die "Erweiterte Unholdenzeitung" gedruckt, die mit Horrormeldungen das Land überschwemmten.
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Der Höhepunkt der Hexenverfolgung lag zwischen 1590-1630. Sie wütete besonders während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) in Mitteleuropa. Gerade in dieser kriegerischen Zeit verdächtigten viele Leute angebliche "Hexen" und lieferten sie an die Gerichte aus.
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Zur Anzeige reichten Gerüchte. So konnten sich aus jedem Hexenprozess zahllose Folgeprozesse entwickeln. Die Folter wurde so oft wiederholt, bis das gewünschte Geständnis auch "freiwillig" außerhalb der Folterkammer abgelegt und noch einmal bestätigt wurde.
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Hexe oder nicht? Leben oder sterben. Das Hexenbad, die Wasserprobe mit kaltem Wasser, wurde wissenschaftlich vom Professor der Julius Universität zu Helmstadt Hermann Neuwalt untersucht. Im Jahr 1584 veröffentlichte der in Lemgo geborene Neuwalt eine Schrift gegen die Hexenwasserprobe, die im ausgehenden 16. Jahrhundert in der deutschen Gerichtspraxis und insbesondere in Neuwalts Heimatregion Westfalen weit verbreitet war.
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Trotz des Widerstandes aus den Reihen der Wissenschaft wurde die Wasserprobe unbeirrt weiter vollzogen. Dabei wurde das Opfer mit beiden Daumen an die gegenüberliegenden Zehen gefesselt und an ein Seil gebunden ins Wasser hinabgelassen. Kam es wieder an die Oberfläche, war das Zeichen der Schuld und damit die Hexerei erwiesen. Versank der Körper im Wasser, galt die Angeklagte als unschuldig. Wie kam man auf die Wasserprobe? Es wurde angenommen, dass das Wasser spätestens seit der Taufe Jesu ein Zeichen Gottes war und alles Schlechte von ihm abgestoßen würde, so also auch die Hexe. Entscheidend war keinesfalls, ob sich die Hexe unter Wasser selbst befreien konnte! In diesem Fall hätte man die Probe wiederholt, was bis zu 3x möglich gewesen wäre.
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Auf das Verbrechen der Hexerei stand die Strafe des Feuertodes, der Scheiterhaufen, auf dem man lebendig verbrannt wurde, um die Seele zu reinigen. Die "Hexe" wurde an einen Pfahl inmitten eines Reisighaufens gefesselt, der dann entzündet wurde. Als Akt der Gnade galt die vorherige Enthauptung, Erdrosselung oder das Umhängen eines Schwarzpulversäckchens um den Hals.
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Lagen die Richtplätze auch innerhalb der Stadtmauern, loderten Scheiterhaufen meist vor deren Toren, aus Angst vor dem Übergreifen der Flammen auf Gebäude der Stadt. Meist wurden außerstädtische Richtplätze, die zur Abschreckung oft an einer Straßenkreuzung lagen, mit Linden markiert.
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Der Richtplatz in Herford lag im Lübberbruch. In alten Urkunden findet sich mehrmals die Ortsbezeichnung Lübberlinde. Fast auf gleicher Höhe, auf der anderen Seite des Mindener Hellweges, befand sich der Galgen. In einem Kupferstich um 1886 gibt es einen Hinweis auf ihn, offensichtlich verweisen vier zusammenstehende Bäume im Bild auf die Richtstätte. Es wäre der einzige Bildhinweis auf den Richtplatz Herfords.
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Wegen "Teufelsbuhlschaft" wurde als letzte "Hexe" in Deutschland am 30. März 1775 in Kempten im Allgäu die Dienstmagd Anna Maria Schwegelin verurteilt. Das Urteil wurde aber aus unbekanntem Grunde nicht vollstreckt. Als letzte europäische Hexe wurde Anna Göldi 1782 in Glarus/Schweiz geköpft. Heute weiß man nicht genau, wie viele Opfer des Hexenwahns es zwischen 14. und 18. Jahrhundert gab. In Europa liegen die Schätzungen zwischen 200.000 und mehreren Millionen Opfern.
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