Fenster der Johanniskirche zurück zur Übersicht
 
 
"Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben."
Evangelium des Johannes, Kap. 8, Vers 12
 

Die Johanniskirche gilt als erste frühgotische Hallenkirche Westfalens mit quadratischen Mittel- und Seitenschiffjochen (1250/70 - 1315/40).
Einige besondere Details der Kirche bleiben oft unbemerkt. Dazu gehören unbedingt die herrlichen Fenster aus dem Mittelalter im Chor. Nach den Fenstern der Wiesenkirche in Soest ist es der zweitgrößte Bestand in Westfalen.

Das östliche Fenster der Südseite ist das älteste. Es wird in der Regel um 1320-25 datiert. Dargestellt sind in 18 Medaillons Szenen aus dem Leben Jesu in satter, dunkler Farbigkeit.

Der Zyklus beginnt unten links mit der Verkündigung an Maria, rechts daneben Marias Besuch bei Elisabeth, dann Christi Geburt.

Darüber in der zweiten Reihe (von links nach rechts): Anbetung der Heiligen Drei Könige, Darbringung im Tempel, Flucht nach Ägypten.

Dritte Reihe: Einsetzung des Abendmahls, Jesu Gebet im Garten Gethsemane mit den schlafenden Jüngern, Judaskuss und Gefangennahme.

Vierte Reihe: Verhör vor dem Hohenpriester Kaiphas, Geißelung, Dornenkrönung.

Fünfte Reihe: Verspottung, Kreuztragung, Kreuzigung.

Sechste und letzte Reihe: Grablegung, Auferstehung und Himmelfahrt.

Die beiden Fenster seitlich vom Mittelfenster sind im Aufbau und Komposition verwandt und wahrscheinlich um 1350-55 entstanden.
Im linken Fenster befindet sich dreimal das gleiche Wappen, auf einem schrägliegenden, spitzen Schild von der Ecke ausgehend drei Fische mit einem gemeinsamen Kopf in der Mitte. Es ist das Wappen des Henricus Stur, der seinen Namen vom Fisch Stör abgeleitet und zwischen 1338 und 1373 fassbar ist.

Die Glasmalereien im Fenster rechts neben dem Mittelfenster sind sehr stark erneuert und stammen größtenteils von 1909.

Die große Kreuzigungsgruppe des Mittelfensters ist um 1600 nach einer Vorlage eines Kupferstichs von Martin Schongauer entstanden. Zu Füßen von Maria und Joseph knien die beiden Stifter des Glasgemäldes, über ihnen befinden sich Spruchbänder.

Im Chor wurde 1590-1600 der erste nachreformatorische Altar Herfords errichtet. Heute steht er weit im Chor, der ursprüngliche Standort war jedoch direkt vor der Ostwand. Das scheint der Anstoß gewesen zu sein, das neue Zentralbild der Kreuzigungsgruppe zu schaffen. Dessen Glasmalerei beschränkt sich auf den oberen Teil. Beide Elemente, Fenster und Altar, wurden offenbar aufeinander abgestimmt.
Im Mai 1940 wurden die gotischen Fenster ausgebaut und durch Notverglasungen ersetzt.

Bei Bombenangriffen wurden, nur wenige Schritte entfernt, mehrere Gebäude durch Luftminen zerstört. Einige Öffnungen der Fenster verschloss man provisorisch mit Brettern. 1945 wurden die bemalten Fenster wieder eingesetzt. Bereits damals zeigten sich starke Schwarzlotschäden an den ältesten Fenstern.

Zwischen 1968/69 wurden die Glasmalereien ergänzt und restauriert. Die Kosten betrugen, inklusive der Schutzverglasung, 75.000,00 DM. Am 20. Dezember 1969 fand in der Johanniskirche die Feierstunde anlässlich der Wiedereinsetzung statt.
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