Die Brautwerbung Herzog Heinrichs I. um Mathilde von Enger in Herford
Petra Brennenstuhl
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Was für ein Saal, diese Aula in der VHS Herford am Münsterkirchplatz 1! Ein Raum voller Geschichten.

Seit 1896 schaut die wuchtige Kassettendecke auf Generationen von Schülern, die dort Zeugnisse bekamen oder Theaterstücke aufführten. Vormals waren es die jungen Leute der Landwirtschafts- und Realschule, später des Ravensberger Gymnasiums und kurz auch des Königin Mathilde Gymnasiums (siehe Stadtschreiber Ravensberger Gymnasium).

Erst kürzlich entdeckten Restauratoren an den Außenwänden die ursprüngliche, historisierende Raumfassung in Öl- und Schablonenmalerei.

Ein besonderes Stück Wilhelminischer Geschichte ist das 6 x 3,5m große Ölgemälde des jungen Berliner Malers Konrad Astfalck an der Ostwand. Motiv sollte die Brautwerbung Herzog Heinrichs I. um Mathilde von Enger in Herford sein. Es folgten umfangreiche Recherchen und Vorarbeiten zum Bild, in deren Verlauf nicht nur alle am Bau der Schule Beteiligten, sondern auch der Bürgermeister und sechs namhafte deutsche Künstler immer wieder all seine Entwürfe kritisierten oder verwarfen.

Zu allem Übel befand sich der Malgrund, die frisch aufgezogene Kalkwand, in einem desaströsen Zustand, mit nachträglichen Eröffnungen, Abplatzungen und Löchern. Astfalck hatte große Schwierigkeiten, sein Bildprogramm bis zur Einweihung der Aula am 29. Juli 1896 zu vollenden. Aber das die Wand ausfüllende Gemälde erhielt sich nur kurze Zeit.

Bald darauf fielen große Teile einfach ab und es wurde seiner opulenten Säulenarchitektur beraubt, die auf dem ersten Bild noch zu sehen ist. Vermutlich musste der Künstler, der sich mit diesem ersten eigenen Werk einen bekannten Namen machen wollte, zu seinem Ärger das Bild selbst einkürzen. In seinem Zorn machte es ihm auch nichts mehr aus, seinen Namen zu übermalen.

Die Brautwerbung des späteren ersten Königs Heinrich I. um die Widukind Urururenkelin Mathilde, ereignete sich im Jahr 909 in einem kaum als solchen zu erkennenden Abteigarten. Lediglich eine mittlerweile verlorene Inschrift auf einem Säulenkapitell benannte den Ort der Handlung. Es ist Heinrichs zweite Ehe. Bereits vorher war er mit Hathaburg von Merseburg verheiratet. Der Herzogsohn ließ diese Ehe annullieren, behielt jedoch die Pfründe und heiratete die 14 jährige Mathilde, die im Herforder Stift unter ihrer Großmutter, der Äbtissin Mathilde, eine standesgemäße Erziehung erhielt.

Die Ehe sollte von großer politischer Bedeutung werden, da erst durch die Verbindung von Ost- und Westfalen ein sächsisches Stammesherzogtum geschaffen wurde. Diese Machtstellung Herzog Heinrichs I. war wiederum Vorbedingung für seine Wahl zum König im Jahr 919 und zur Bildung des Deutschen Reiches. Beide, Heinrich und Mathilde, wurden die Stammeltern der ersten Deutschen Königsdynastie, den Ottonen.

Bedingt durch die komplizierte Entstehungsgeschichte des Bildes, Schäden des Untergrundes durch Bombenabwürfe direkt vor der Außenwand und die altersbedingte Verschmutzung wurde dringend dessen Restaurierung nötig. Im Januar 2006 begannen die Arbeiten.

Zentimeter für Zentimeter musste die Oberfläche von der Schmutzschicht befreit werden, Ausbrüche wurden gekittet und die Farbschichten über die verschiedenen Untermalungen wieder aufgebaut.

Nur wenige der Figuren sind wirklich charakteristische Gestalten. Eine Figur, eher im Hintergrund gehalten, sticht jedoch besonders hervor. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat sich an dieser Stelle der geplagte Künstler Konrad Astfalck selbst dargestellt. So richtig glücklich sieht er nicht aus.

Heute strahlt das Bild in alter Frische. In der Aula der VHS finden unter den Augen Mathildes zahlreiche Veranstaltungen statt und auch die Stadtführungen machen an diesem geschichtenträchtigen Platz oft Halt. Wenn Sie sich in die Mitte des Raumes stellen und dabei den Blick aus den Fenstern schweifen lassen, sehen Sie alle vier Gotischen Kirchen Herfords - die Jakobikirche, die Münsterkirche, die Johanniskirche und auf dem Stiftberg die Marienkirche.
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