Dionysiusschatz zurück zur Übersicht
 
 
Am 3. Juni 1885 sorgten die Preußen wieder einmal für einen ganz dunklen Tag in der Geschichte Herfords. Sie "entführten" den mittlerweile berühmten Schatz des Dionysiusstiftes aus der Johanniskirche in der Neustadt in das Königliche Kunstgewerbemuseum Berlin.  

Mit dem Aufheben der Stiftgemeinschaft St. Johann und Dionysius war dessen Vermögen in Staatsbesitz übergegangen. Aufbewahrt wurden die Teile in einer Kiste. Diese stand in einem Anbau der Johanniskirche, der auf einer Zeichnung von C. H. L. Funk (1832) zu sehen ist. Nach einem versuchten Einbruch 1884 wurde der Schatz im folgenden Jahr, gegen den Willen der Herforder, für immer nach Berlin gebracht.

Der Kern des Dionysiusschatzes wurde in der mittlerweile abgerissenen Kapitelstube der Neustädter Johanniskirche aufbewahrt. Im handschriftlichen Inventar des Jahres 1888 werden 32 Teile aufgeführt, von denen heute noch 18 Stücke vorhanden sind. Der Rest ist seit Kriegsende verschollen.

In den beiden Vitrinen im Vordergrund werden wichtige Stücke des Schatzes ausgestellt. Interessant ist die Schnitzerei an der Wand im Hintergrund.

1878 wurde sie gemeinsam mit einem Gotischen Lesepult nach Berlin verkauft. Wo sie in der Johanniskirche platziert war und an welcher Stelle sie nach ihrem Ausbau gelagert wurde, ist nicht bekannt.

Bei der Darstellung handelt es sich um die Wurzel Jesse, Jesaja 11, 11. Vermutlich wurde die 8,70 m lange Handwerksarbeit aus Eiche um 1500 geschaffen.

Hauptstück des Schatzes ist ein Reliquiar in Form einer Burse, aus dem 8. Jahrhundert, eines der kostbarsten Werke frühmittelalterlicher Goldschmiedekunst Europas. Seit etwa 100 Jahren wird vermutet, dass es sich dabei um ein Taufgeschenk Karl des Großen an seinen sächsischen Widersacher Widukind handeln könnte. Kunsthistorisch und stilistisch würde dem nichts widersprechen.

Die Rückseite ist deutlich einfacher gehalten. Die Unterseite lässt sich lösen und gibt den Blick in das innere rechteckige Reliquienfach frei. Über die darin aufbewahrte Reliquie ist nichts bekannt.

Taufschale Widukinds, grüner Serpentin, im 12. Jh. in Bronze gefasst, vergoldet. Das Alter der Serpentinschale lässt sich nicht bestimmen. Möglicherweise reicht ihr Ursprung in die Antike zurück. Sicher ist, dass die Schale schon damals als große Kostbarkeit galt.

Rechts oben das Futteral für die Taufschale, 12. Jh. Lindenholz bemalt. Von der Inschrift im Deckel lässt sich nur noch:"VIS ... DE AFRICA B...." lesen. Links oben ein Futteral für ein Reliquienkreuz.

Reliquienkreuz um 1100. Gold, Edelsteine, Bergkristall. Der Bergkristall diente aus Verschluss der Reliquienkapsel, in der ein Stück vom Kreuz Christi aufbewahrt wurde.

Die Rückseite des Reliquienkreuzes ist bedeutend einfacher gehalten.

Reliquiar mit hohl geschliffenem Bergkristall, Arbeit aus dem 1. Viertel 13. Jh.. Mitte des 19. Jh. sollen sich im ausgehöhlten Stein noch Reliquien des hl. Dionysius befunden haben.

Das Sirenen-Aquamanile, 2. Drittel 13. Jh. Diese Gießgefäße wurden zur Handwaschung bei liturgischen Handlungen benutzt.

Evangelienhandschrift mit silbernem Bucheinband. Verziert ist der Deckel mit einer silbernen, teilweise vergoldete Treibarbeit aus dem letzten Drittel des 12. Jh..

Links ein kleines Reliquienkreuz, 15. Jh., Kupfer. Daneben zwei Vortragekreuze, 15. Jh, der Holzkern wurde hier mit Silber beschlagen. Diese Kreuze wurden in Prozessionen oder beim feierlichen Einzug in die Kirche getragen.

Agraffe mit der Darstellung der Anna Selbdritt. Silber, teilweise vergoldet. Im unteren Feld ist das Stifterwappen eingearbeitet. Auf der Rückseite wurde das Stiftungsjahr 1512 und der Name es Stifters, Friedrich Fürstenau, eingraviert.

Links oben die kleine Pyxis, vermutlich ein Reliquienbehälter. Leider ist der Deckel nicht erhalten geblieben. Über die Entstehungszeit ist nichts bekannt. Rechts oben eine aus Lindenholz gedrechselte Deckelbüchse, in der möglicherweise Hostien aufbewahrt wurden. In der Mitte eine aufgeschnittene Reliquienkapsel, unten Futterale.

Vorder- und Rückseite der kreisrunden Reliquienkapsel, 1.Viertel 15 Jh, Silber, vergoldet, Emaille. Der Reliquienbehälter wurde schon vor langer Zeit auseinander geschnitten. Welche Reliquien die Kapsel enthielt ist nicht bekannt.

Im oberen Teil der Vitrine befindet sich der Weihrauchbehälter oder auch Duftapfel, Ende des 15. Jh. aus starkem Silberblech getrieben. Unten eine bemalte Lindenholzdose, vermutlich aus dem späten 15. Jh. die möglicherweise als Hostienbehälter benutzt wurde.
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