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| Römer in Herford |
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Kalkriese bei Osnabrück; schon 1885 vermutete hier der spätere Nobelpreisträger Theodor Mommsen den Ort der Varusschlacht. Ein Grund war die außerordentliche Anhäufung varuszeitlicher Münzen. Davon ausgehend folgerte er zudem das Sommerlager des Varus bei Minden an der Weser.
Die Lokalisierung der Varushauptschlacht am Kalkrieser Berg ist unter Fachleuten heute weitgehend akzeptiert. Weit strittiger ist dagegen nach wie vor die Antwort auf die Frage: Wie kamen die Römer nach Kalkriese? Wir wissen durch Cassius Dio, dass die Schlacht über vier Tage stattfand und durch wechselhaftes, schlecht wegsames Gelände führte.
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Der Weg aus Osten, von Minden nach Kalkriese, hat dagegen kaum Variationen aufzuweisen und ist ohne weiteres in zweitägigem Marsch zu bewältigen. Zudem fehlen bis heute Funde, die diese Vorstellung stützen könnten.
Bis 2007 aber wurde Mommsen in Kalkriese eindrucksvoll bestätigt: Fast 2000 Fundmünzen und unzählige ergänzende Funde in Kalkriese stehen wenigen Dutzend Streufunden passender Zeitstellung im ganzen Weserbergland gegenüber.
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Fundmünzen sind ein wichtiges Datierungsinstrument. Im Gegensatz zu anderen Gütern des täglichen Lebens ist bei römischen Münzen das Datum ihrer Herstellung meist recht gut bekannt. Bei einer Ansammlung von Fundmünzen ist daher besonders die so genannte Schlussmünze interessant: Sie ist die jüngste Münze und sie setzt damit eine obere Grenze für das Alter des Fundzusammenhangs. Die Schlussmünze von Kalkriese ist eine Münze die im Zeitraum 2 v.Chr. bis 4 n.Chr. geprägt wurde. Zusätzlich gibt es dort viele Münzen, die mit einem eingeschlagenen VAR Stempel versehen sind. Diese so genannten Gegenstempel des Varus konnten nur in den Jahren 7 bis 9 n.Chr. aufgebracht worden sein.
Wie sieht es jedoch mit dem Anmarschweg dorthin aus? Wie kam Varus an diese abgelegene Stelle bei Osnabrück?
Als der Zug ins Innere von Germanien aufbrach, umfasste er drei reguläre Legionen, sechs Kohorten und drei Alen, sowie reichlich ziviles Personal, Juristen, Händler, Ärzte, Landvermesser sowie auch Frauen, Kinder und sogar einen stattlichen Sklaventross. Ein Strom von etwa 30.000 Personen, mit ihren Karren und Wagen, schlängelte sich Dutzende Kilometer lang durch das Weserbergland.
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Arminius, römischer Ritter, Tischgenosse des Varus und ranghöchster cheruskischer Vertrauter Roms, lockte Varus auf dem Rückweg vom Sommerlager zu den Winterquartieren am Rhein in eine Falle. Er veranlasste Varus, einen abseits der Route stattfindenden Aufstand beizulegen. Der eigentlich kleine Umweg entpuppte sich jedoch als perfekt vorbereitete Feindoperation.
Vermutlich irgendwo zwischen Hameln und Lügde wich man von der Normalroute, die die kürzeste gangbare Verbindung zwischen Rhein und Elbe markiert, nach Norden ab und erreichte das Gebiet der Werre bei Bad Salzuflen. Etwa auf dem Werler Feld/Knetterheide kam es zum ersten Angriff: Der schätzungsweise 30 km lange Zug wurde dabei zerrissen, der Hauptteil flüchtete sich das Werretal abwärts nach Norden, die kleinere Nachhut konnte nach Süden ausweichen. Am Abend des ersten Kampftages konnte sich die Hauptstreitmacht noch in einem regulär angelegten Lager verschanzen. Überliefert ist uns auch, dass Varus hier eine deutliche Entscheidung traf: Er ließ den größten Teil des hinderlichen Trosses verbrennen. Die partisanenartige Schlacht dauerte dann noch weitere drei Tage bis zu ihrem dramatischen Ende in Kalkriese.
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Wo aber liegt nun dieses Erste Marschlager, neben dem Ort der Endschlacht und dem unbekannten Sommerlager die drittwichtigste archäologische Stätte des Jahres 9 n. Chr.? Nun, die Entfernung Werler Feld bis Kalkriese ist in der Luftlinie etwa 56 Km. Wenn man diese Zahl durch 4 teilt, kommt man auf eine Tagesmarschleistung von etwa 14 Km täglich Luftlinie. Zeichnen wir also einen Suchkreis von etwa 45 km um Kalkriese und einen Kreis von 15 Km ums Werler Feld, so sollte im oder am Bereich der Schnittfläche das gesuchte Lager liegen!
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Und tatsächlich findet man, mit Hilfe von GOOGLE-Earth, bei der Durchforstung des in Frage kommenden Gebietes schnell einen markanten Brandhorizont, nordwestlich von Herford. Aus den erkennbaren Spuren ist mit einem Lagerplatz mit einer Ost-West-Ausdehnung von bis zu 800 Metern zu rechnen.
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Und mehr noch: dieses Feld ist bereits seit 1930 durch antike Keramikfunde auffällig. In den 1980 und 1990er Jahren wurden aufgrund von Baumaßnahmen hier Notgrabungen durchgeführt. Hier wurde am Westrand des Geländes ein antikes Brandgräberfeld entdeckt. Weiterhin am Südrand des Geländes eine frühkaiserzeitliche germanische Siedlung, die nach den Funden sicher ab dem ersten Jahrhundert belegt war und wegen vorgefundener Metallschmelzen die "Siedlung des Schmiedes" getauft wurde.
Zudem gab es viele weitere frühkaiserzeitliche Keramikbruchstücke auf den Feldern, wobei die genaue Datierung und Einordnung der Funde unklar blieb. Denn die wahre Ausdehnung des Geländes nach Osten war den Ausgräbern unbekannt.
Auf Grund meiner These ließ ich im Herbst 2007 Luftbilder von dem Bereich machen.
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Diese zeigen nun deutlich die östliche Lagerbegrenzung, sowie das Einlasstor im Südosten des Lagers und machen die Vermutung an dieser Stelle das Erste Marschlagers der Varusschlacht gefunden zu haben, erstmals greifbar.
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In nächster Zeit sind mit einem Georadar klärende Untersuchungen auf diesem Gelände geplant, unter Beteiligung des geophysikalischen Instituts der Universität Köln. Trotz des bereits tief greifend durch Landwirtschaft gestörten Fundhorizontes hegen wir die Hoffnung, auf datierbare Funde zu stoßen. Zusätzlich soll das Gelände kartiert werden.
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