| Altstädter Rathaus |
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Viele Jahrhunderte dominierte das um 1360 erbaute Rathaus den Altstädter Markt.
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Mitte des 19. Jh. stellte sich der Platz noch recht altertümlich dar. Um 1360 wurde zum Platz hin der vordere Teil des Rathauses erbaut, etwa hundert Jahre später folgte der Anbau des hinteren Rathausteiles. Wann der Vorbau an der Nordseite entstand, ist umstritten. Vermutlich erfolgte der Umbau zum Renaissancestil um 1575.
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Der unspektakuläre Westgiebel, der deutlich hinter dem beeindruckenden Nordvorbau zurückstand, sollte noch kurz vor dem Abbruch durch einen Umbau eine deutliche Aufwertung erfahren.
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Für dessen "Vollendung im Stil der deutschen Renaissance" fertigte der spätere Dombaumeister Tornow eine Zeichnung. Aber für die Umsetzung fehlte das Geld.
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Bereits vor Quentins Wahl gab es erste Pläne zum Abbruch des Rathauses. Es war nicht nur alt, es störte. Der Hotelier Rhode hatte das alte Hotel "Stadt Berlin" abgerissen und einen repräsentativen Neubau errichtet, der leider durch das Rathaus verdeckt wurde. Es gab weitere Anwohner, denen es buchstäblich im Weg stand.
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1875 wurde der 28 Jahre alte Ludwig Quentin einstimmig zum Bürgermeister der 12.090 Einwohner zählenden Kreisstadt Herford gewählt. Bis 1914 wird sich die Bevölkerungszahl auf 35.248 Einwohner erhöhen.
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Als Standort des Neubaus favorisierte Quentin das Eckgrundstück Rennstraße/ Todtenstraße (Clarenstraße). Dazu musste die Stadt die 3 Häuser der Herren Detering, Stroop und Ritter erwerben.
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Am 14. März 1877 beschlossen die Stadtverordneten den Abbruch des Rathauses.
"Nachdem der Rathausabbruch unter dem 8. October 1877 durch Ministerial-Rescript unter der Bedingung genehmigt war, daß bestimmte Theile conserviert würden, wurde das Rathaus im ganzen öffentlich ausgeboten und sodann für den Preis vom M. 3300 dem Maurermeister Mohrmann und Kaufmann M. Weinberg auf Abbruch zugeschlagen."
1878 wurde das Rathaus abgebrochen.
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Einige Teile des alten Rathauses konnten beim Abbruch gerettet werden. Die Rathaustür wurde am 9. August 1882 als erstes Stück des neuen Museums verzeichnet.
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Die mächtigen Säulen der Laube wurden erhalten. Eine davon ließ sich Quentin in den Garten seines Privathauses stellen. Eine andere nahm den Umweg über einen Friedhof in den Keller des Heimatmuseums.
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Aus dem Inneren erhielt sich eine Renaissance-Türbekleidung von 1630.
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Auf der Rückseite dieses Bildes befindet sich folgender Vermerk:
"Stube von Meyer zu Düttingdorf (Niederbäumer) zu Herford. Der Ofen stammt aus dem abgebrochenen Herforder Altstädter Rathaus. Dr. Budde"
Dann ein späterer Zusatz von gleicher Hand: "Der Ofen kam 1956 in das Heimatmuseum."
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1910. Der auf dem heutigen Rathausplatz stehende Rest der alten Abtei diente bis zum Abbruch 1913 ebenfalls als Rathausabteilung, hier war die Polizeibehörde untergebracht.
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Nach dem Abbruch der restlichen Abteianlagen und der Schönfeldschen Spinnerei begannen 1914 die Arbeiten am Neubau. 36 Jahre nach dem Abbruch des Altstädter Rathauses wurde das prächtige neue Rathaus bezogen. Quentin erlebte das Ereignis als Pensionär, bereits 1908 war er 61jährig in den Ruhestand getreten.
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Nachtrag. Der mit dem Abriss beauftragte Maurermeister Mohrmann pflegte ein ausgefallenes Hobby. Er sammelte von einigen Gebäuden, die durch seine Hand gingen, kleine Relikte als Andenken. Auch am Nordgiebel des Alten Rathauses wurde er fündig.
Und so ist noch heute eine der alten Konsolen vom Altstädter Rathaus an einem Wohngebäude in Herford zu sehen.
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