Goldmünzen in Hiddenhausen zurück zur Übersicht
 

von Mathias Polster
   

Die Vorgeschichte der Suche, die letztendlich zum Fund des sensationellen römischen Münzfundes führte, wird bereits in der Stadtschreibergeschichte "Römer in Herford" erzählt. An dieser Stelle noch ein wichtiger Hinweis: Mittlerweile sind viele Anwohner und Geschichtsinteressierte sensibilisiert. Sondengänger ohne Genehmigung sollten besser zu Hause bleiben!

Ausgestattet mit den nötigen Genehmigungen wurde ab dem 17. März 2008 gesucht. Wenn die Felder frei waren und das Wetter es zuließ, war zumindest Heribert Genreith auf dem Feld. Manchmal wurde er unterstützt, hier von Vassilios Efstratiadis, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter des LWL.

Bald stellten sich die ersten Funde ein, Metallteile in allen Formen und Größen. Ein großer Teil ist sicher jüngeren Datums. Einige Teile sind definitiv viel älter, müssen jedoch weiter untersucht werden. Darunter mehrere Pfeilspitzen und mysteriöse Bronzeteile.


Der allererste Fund, ein römisches Lot. Der Teil einer Groma gehörte zu einem römischen Vermessungsinstrument (Kombination von Lot und Visierkreuz).


Auch eine ganze Reihe verschiedener Musketenkugeln wurden quer über die Felder verteilt gefunden. Auch Projektile der jüngeren Geschichte waren unter den Funden.


Nachdem die Presse mehrmals über die Römertheorie berichtete, wurde auch der WDR auf das Feld in Hiddenhausen aufmerksam. Am 7. September wurde das erste Mal vor Ort gedreht. Über Goldfunde wurde nicht gesprochen.

Bereits vorher, am 22. August 2009 die Sensation. Gegen Abend, kurz bevor er die Suche für diesen Tag beenden wollte, schlug die Sonde Heribert Genreiths energisch an. Eine Goldmünze, glänzend und frisch wie aus der Presse, lag nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche.

Avers des Solidus, vermutlich um 333 geprägt. 309 ließ Konstantin der Große (von 306 bis 337 römischer Kaiser) diesen neuen Goldmünztypus prägen. Der Solidus wurde an Stelle des bis dahin üblichen Aureus eingeführt.

Revers des Solidus. Die Abkürzung "CONS" verweist auf den Prägeort Konstantinopel. Vom Solidus leiten sich auch die Wörter Sold, Söldner und Soldat ab.

Die zweite durch Heribert Genreith gefundene Münze, ein halber Solidus. Geprägt unter Konstantin II. (römischer Kaiser von 337 bis 340), ältester Sohn Konstantins des Großen.

Revers des halben Solidus. Konstantin II. übernahm 328, unter Aufsicht des Vaters und von Beamten den Reichsteil im Westen (Gallien), wo er in Augusta Treverorum residierte, dem heutigen Trier. Die Buchstaben "TR" belegen Trier als Prägeort der Münze.

Der Vergleich mit dem Euro zeigt, dass es sich um relativ kleine Münzen handelt. Ein Wunder, dass sie überhaupt nach über 1.600 Jahren entdeckt wurden. Oder das man sie erst jetzt entdeckt hat.

Nach der Fundanzeige entschieden die Verantwortlichen im LWL der Sache auf den Grund zu gehen und an der Stelle systematisch zu graben. Am 26. September rückten die Bagger an.

Über Wochen wurde mit Akribie der Bereich abgesucht. Schicht für Schicht wurde sorgfältige weggeschoben und mit Sonden durchsuchte. Schon am ersten Tag wurde die Suche belohnt, es wurden drei Goldmünzen in hervorragender Qualität gefunden

Nach fünf Jahren ehrenamtlicher Suche für den LWL findet Vassilios Efstratiadis seine erste Goldmünze. Kurz danach folgen Nummer zwei und drei.

Dabei ein neuer Typ. Constantius II. war der Sohn Konstantins des Großen und bis zu seinem Tode 361 Kaiser des Römischen Reiches, ab 337 nur im Osten, von 353 bis 360 de facto auch im Gesamtreich.

Auch hier sind auf dem Revers die Buchstaben "TR" eingeschlagen, der Hinweis auf den Prägeort Trier. Die Figur auf dem Revers aller Münzen stellt immer die römische Glückgöttin Fortuna dar. Sie hat hier einigen Menschen echt Glück gebracht.

Insgesamt wurde neun Münzen gefunden, in drei verschiedenen Prägungen. Bei dieser Abbildung fehlen die beiden Münzen, die Heribert Genreith gefunden hat. Mittlerweile werden alle gemeinsam aufbewahrt. Wo sie letztendlich einmal der Öffentlichkeit präsentiert werden, ist noch nicht geklärt

Vorerst ist die Suche unterbrochen. Erst wenn die Felder wieder begehbar sind, werden sich Heribert Genreith und sein Team, unterstützt vom LWL, wieder auf die Suche machen. Möglicherweise findet er dann das, was er wirklich finden wollte, die einfachen Bronzemünzen der römischen Legionen, die während der Varusschlacht ihr Leben ließen

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