Hohlwege - Zeitzeugen in der Landschaft zurück zur Übersicht

August-Wilhelm König

 
 
Es gibt in unserer Region viele Spuren in die Vergangenheit. Gebäude und andere Bauwerke sind wohl die Auffälligsten. Aber auch Urkunden, sowie weitere schriftliche Quellen gehören dazu. Weniger beachtet werden Spuren in der bergigen Landschaft, die Hohlwege.

Die Hohlwege sind Reste eines umfangreichen Wegenetzes, das erst durch den Bau der Kunststraßen im 19. Jh. überflüssig wurde. Teilweise mehrere hundert Jahre alt, liegen sie manchmal versteckt im Wald oder am Rande von Ackerflächen.

Die Voraussetzung für die Entstehung der Hohlwege waren entsprechende Steigungen in der bergigen Landschaft, regelmäßige, intensive Nutzung der Wege durch Fahrzeuge mit Speichenrädern, sowie Zugtiere wie Pferde und Ochsen, die das Erdreich aufwühlen und der Regen, der den losen Boden zu Tal schwemmt und somit eine Rinne schafft - einen Hohlweg.

Das Ravensberger Land, unsere Region, hatte schon im Mittelalter ein sehr ausgeprägtes Verkehrsnetz. Eine Ursache lag in der hohen Siedlungsdichte, der wichtigste Grund aber war die verkehrsgünstige Lage zwischen den Pässen des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges, hier besonders die Porta Westfalica.

Fernstraßen, von Köln oder Frankfurt kommend, querten unser Gebiet in nord- oder nordöstliche Richtung. Die wichtigste Ost-West Straße, von Osnabrück über Enger kommend, nutzte die Werrefurt in Herford, um über Lemgo oder Exter, Hameln und dann Hildesheim zu erreichen. Im Verlauf dieser Verbindung finden wir im Stuckenberg gleich ein ganzes Hohlwegebündel. Ein Bündel kann aus bis zu zehn nebeneinander liegenden Hohlwegen bestehen. Sie zeugen von einer besonders intensiven Nutzung des Streckenverlaufs.

War eine Wegespur zu tief ausgefahren und durch Morast unpassierbar geworden, wurde kurzerhand daneben eine neue Fahrspur gewählt und so fort.

Um möglichst sumpfige Bachtäler zu meiden, wurden Wege über die Höhen gesucht und ausgewählt.

Fuhrleute nahmen eher Steigungen in Kauf, als mit ihren Frachtwagen im Morast zu versinken. Diese Wege waren ganzjährig befahrbar, an ihnen entwickelte sich seit dem Mittelalter die Siedlungstätigkeit.

Schon die ältesten Siedlungskerne entstanden an diesen alten Verkehrswegen. Wir unterschätzen oft die Mobilität unserer Vorfahren im so genannten finsteren Mittelalter.

Auf und an den Straßen wurde gehandelt, gebetet, die Abgaben der hörigen Bauern zu ihren Herren gefahren, war Kriegsvolk unterwegs, trafen Bettler, Gaukler und Pilger auf Einheimische, tauschten sich viele Kulturen aus.

Mittlerweile sind die Hohlwege in unserer Landschaft wichtige Rückzugsgebiete für Flora und Fauna und für die Tierwelt.

Sie gliedern und lockern unsere immer größer werdenden landwirtschaftlichen Flächen sehr angenehm auf. Deshalb müssen weitere Verfüllungen der Hohlwege verhindert werden.

Die Geschichtswerkstatt Exter dokumentiert und kartiert seit Jahren diese Zeitzeugen. Nach und nach kann das Verkehrsnetz der vergangenen Jahrhunderte rekonstruiert werden.  
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